Musikunterricht in Zeiten von Corona

Musikschullehrerin Lena Knobloch (Filmstill aus ihrem YouTube-Video für ihre S-B-S-Kinder)

„Warum Musik?“ fragt die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau auf ihrer Homepage. Und nicht erst jetzt – in Zeiten von Corona – stellt sich diese Frage vehement, hatten doch die Schulen seit PISA den Musikunterricht zunächst vermehrt aus ihren Lehrplänen verdrängt.

Allerdings griffen die damaligen Appelle den Folgen eines musikarmen (Schüler-) Lebens noch vor. Damit sie heute aber durch den Corona bedingten „Shut down“ des kulturellen bzw. öffentlichen Lebens nicht direkt spürbar werden, geht die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau mittlerweile ganz neue Wege:

Mit der Schließung der öffentlichen Schulen musste auch die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau seit Dienstag, 17. März, auf noch ungewisse Zeit ihre Türen schließen. Grund für diese Maßnahme ist die Vorgabe „Sozialkontakte auf ein Minimum zu reduzieren“, sowie die Tatsache, dass 90% des Musikunterrichts in Räumen der öffentlichen Schulen stattfindet. Davon betroffen sind wöchentlich ca. 1050 Unterrichtseinheiten in 13 Mitglieds­gemeinden und 14 Teilorten an mehr als insgesamt 90 Unterrichtsstätten.

Da vorläufig also kein Präsenzunterricht stattfinden kann, werden unterdessen alternative Unterrichts­formen angeboten, wie sie heute durch das Internet zur Verfügung stehen: Online-Unterricht, Videomaterial, Unterricht über Skype oder über die Videofunktion von WhatsApp, telefonischer Unterricht, Unterricht mittels schriftlicher Aufgaben aus dem musiktheoretischen Bereich und anderes mehr, damit den Schüler*innen keine Unterrichtsstunde, kein Ton Musik verloren geht. Die Früherziehungs- und Musik­garten­kinder werden sogar mit selbstgedrehten Videos, neuen Liedern und vielen kreativen Ideen versorgt.

Unterricht findet derzeit also in neuem, anderem Rahmen statt. Viele Eltern haben sofort begonnen ihren Kindern die nötige Technik zur Verfügung zu stellen. Ihre Bereitschaft, unkonventionelle Ideen und neue Lösungen zu entwickeln wie auch ihre Solidarität gegenüber dieser Einrichtung ist überwältigend und stimmt hoffnungsfroh, diese Krise in guter Weise zu überstehen.

Die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau erreichen viele Emails von Eltern, die sich sehr über den Online-Unterricht freuen und sich für dessen schnelle Umsetzung bedanken. Natürlich ist diesem der persönliche Unterricht immer vorzuziehen. Doch haben viele Lehrer*innen auch von neuen Chancen berichtet: So wird momentan wesentlich mehr geübt (kein Wunder, die Kinder haben trotz der vielen Hausaufgaben, die sie von den Schulen bekommen, ein Übermaß an Zeit) und die Konzentration ist bei einem Videochat überraschend hoch.

Wochen und Monate keinen Unterricht zu haben, das war nie eine Option. Doch sind die Eltern teilweise so begeistert, dass sie auch in den Ferien Unterricht dazu buchen wollen, damit auch in den Ferien geskypt und gezoomt werden kann.

Warum also Musik – gerade jetzt? Man weiß noch von keiner menschlichen Gesellschaft, die ohne Musik aus­gekom­men wäre. Sie ist der intensivste emotionale Ausdruck, den sich Menschen in ihrer Kultur geschaffen haben. Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. (Victor Hugo) Da ist der Effekt am stärksten, wenn man selbst musiziert – zumal junge Menschen häufig wenig Möglichkeiten finden, sich sonst auszu­drücken.

Gerade jetzt, da Familien gezwungen sind auf unbestimmte Zeit und auf häufig engem Raum miteinander auszukommen, hilft die Musik Stress abzubauen und wirkt darüber hinaus verbindend, was speziell in der aktuellen Situation eine wertvolle Chance darstellt.

Zur aktuellen Unterrichtssituation an der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau siehe auch https://jms-breisgau.de/aktuelle-information-zum-coronavirus/

Zum S-B-S-YouTube-Video von Lena Knobloch.

Schlagzeugunterricht mit Arno Pfunder (auf YouTube)

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