Beseelende Klänge im Zeichen des Barock

Jubiläums-Lehrerkonzert der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau in St. Ulrich

Dem Barock eine Stimme zu geben, dies sei das Ziel dieses Lehrerkonzerts „Italian Delights an Golden Sonatas“, begrüßte die Flötistin Bettina Boysen das Publikum. Dass auch dem Auge die entsprechenden Reize zuteil wurden, verdankte sich dem vierzigjährigen Jubiläum der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau, anlässlich dessen man diesem Gesamtkunstwerk in der Barockkirche „St. Peter und Paul“ in St. Ulrich einen würdigen Rahmen verlieh.

Was aber bedeutet „Barock“ in der Musik? – Die zu hörenden Werke von Henry Purcell, etwa die berühmte „Golden Sonata“, und von dessen Lehrer Matthew Locke sowie jene von überwiegend italienischen, jedoch zum Teil weniger bekannten Komponisten wie Salomone Rossi, Marco Ucellini, Dario Castello, Tarquino Merula oder Giovanni Frescobaldi fächerten eine große Bandbreite barocker Wesenszüge auf, die jene Epoche in Ohr und Vorstellung klangmächtig erstehen ließen.

Das Pourparler der beiden Flötenstimmen etwa; das ausdrucksstarke, temperamentvolle, dabei überaus einfühlsame Spiel der beiden kongenialen Flötistinnen Bettina Boysen und Isabel Lehmann, beide renommierte Musikerinnen auch außerhalb der Jugendmusikschule. Organisch, geradezu ‚muttersprach­lich’ integrierten sie die unzähligen Verzierungen in die weich perlenden Melodien. Die Bassstimmen – am Cello von Insa Hülsebusch sowie am Cembalo von Martin Müller pointiert ausgeführt – bildeten den verlässlichen Klangboden für die zum Teil rasenden Kapriolen in den Flötenstimmen.

Komplizierte rhythmische Verschiebungen gingen einher mit laufenden Tempiwechseln. Auf Phrasen innigster Hingabe mit Harmonien, die einen dahinschmelzen ließen, folgten schnelle Partien mit Doppelläufen, als wollten sie das Ganze wieder relativieren. Von Polaritäten war denn auch im Programmtext die Rede, und von Stimmen, die sich im Zusammenspiel subtil umarmen. Beseelte wie beseelende Klänge waren es allemal, im Sanften wie im Exzessiven. Und als Essenz über all dem: Reine Hingabe und pure Spiellust. Dafür braucht es wirklich großes Können.

(Text und Foto: Friederike Zimmermann)

Hier geht's zum Artikel in der Badischen Zeitung vom 9. November 2018

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