Musik aus dem heimischen Nähkästchen

Wie in den guten alten Zeiten der Hausmusik – Christina Henle auf dem Cello zur Basso-Continuo-Begleitung ihrer Lehrerin Insa Hülsebusch und der Klavierbegleitung von Petra Kaiser mit einem Stück von B. Marcello.

Schülerkonzert der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau in Merzhausen

An einem Samstagvormittag lud die Jugendmusikschule zum ersten Schülerkonzert in den Bürgersaal im Rathaus; zeitlich gerade so gelegen, dass man im Anschluss gemütlich über den Merzhauser Markt bummeln und nebenher vielleicht ein Eis oder eine Tasse Kaffee genießen konnte, um dann mit einem Strauß Blumen unterm Arm ins Wochenende zu starten… Musik lässt sich immer bestens mit den schönen und angenehmen Dingen des Lebens verbinden. Die Schülerkonzerte stehen – das wissen vielleicht nicht alle – bei freiem Eintritt allen Interessierten offen.

Meist eröffnen die Kleineren, die noch nicht so lange Unterricht haben, mit einfachen Stückchen das Konzert. „Die fröhliche Blockflöte“ war denn auch auf dem Einband der Noten zu lesen – dieser Bestimmung ging Luisa Frensing (Kl. Isabel Lehmann) mit der „Pippi Langstrumpf“-Melodie sogleich nach. Neben der Blockflöte kamen indes auch viele andere „fröhliche“ Instrumente zum Einsatz: Feinsinnig stimmte Clara Rooze (Kl. Reinhard Roth) auf dem Klavier das zu Herzen gehende Stück „Wilhelm Tell“ von Gioachino Rossini sowie eine „Hirtenmelodie“ von Aniko Drabon an. Lisa Naima Hofmann trug mit „Two Brothers“ von John Playford auf der Blockflöte – erst Alt-, dann Sopranflöte – zunächst ein Stück aus dem Barock und anschließend ein (fast) zeitgenössisches von Hans Poser vor.

Auch Jule Harter vermochte mit zwei flotten Stücken auf der Blockflöte zu beeindrucken (beide Kl. Hanna Schüly-Binder; am Klavier R. Roth), bevor Oskar von Reyher (Klavier, Kl. Regine Barth) mit viel Schwung dem Publikum „Eye of the tiger“ (Sullivan / Peterik), die Titelmusik zum Film „Rocky“, darbot. Seinen feurigen Auftritt setzte er im Anschluss vierhändig mit seinem Bruder Carlo von Reyher (ebenfalls Kl. R. Barth) und dem Stück „Hard Line“ (Daniel Hellbach) fort. Ein toller Erfolg, den das Publikum begeistert quittierte.s

Vom heutigen Pop ging es nun im Programm zurück zu einem barocken Stück, das im 17. Jahrhundert vielleicht ebenfalls ein Hit war, wie die Bereichsleiterin Maike Röhm zu bedenken gab: Ihre Schülerin Marie Buschle interpretierte auf der Querflöte ein Menuett von Adam Krieger, bevor Eva-Lotta Röhm auf der Oboe das ergreifende Stück „Siciliana“ von Georg Philipp Telemann (Kl. Florian Hasel) zum Besten gab. Sehr schön phrasierte Alena Freising auf der Blockflöte (Kl. Isabel Lehmann) die beiden Sätze „Sarabande“ und „Allegro“ der G-Dur-Sonate von John Ernst Galliard.

Mit Christina Henle auf dem Cello zur Basso-Continuo-Begleitung ihrer Lehrerin Insa Hülsebusch und der Klavierbegleitung von Petra Kaiser kam das Publikum sogar in den Genuss eines Trios – und zwar im wahrsten Sinne: Nach „ihrem“ Allegro der e-moll-Sonate von Benedetto Marcello, einem Zeitgenossen von Vivaldi, hätte man gerne auch noch die anderen Sätze gehört.

In gleichmäßigen Wellenbewegungen brachte Jan Forcker am Klavier die „Kleine Studie“ von Robert Schumann (Kl. R. Roth) zu Gehör, um dann die Bühne für Laetitia Hormuth (Kl. I. Lehmann) freizugeben. Mit Leichtigkeit meisterte sie auf der Blockflöte das Stück „Cantio Polamica“ von Albertus Dlugoraj (1619) mit seinen vielen schwierigen Verzierungen, wie sie im 17. Jahrhundert so gebräuchlich waren. Im Kontrast dazu stimmte sie danach zur Klavierbegleitung ihres Vaters mit „Brasil“ von Daniel Hellbach lateinamerikanische Rhythmen an – auch hier wird zuhause offenbar viel musiziert. Wie schön!

Erneut betrat Carlo von Reyher die Bühne. Kraftvoll widmete er sich dem Walzer a-moll Nr. 19 von Frédéric Chopin, einem anspruchsvollen Stück (Kl. R. Barth). Den wunderbaren Abschluss, die Krönung des Konzerts sozusagen, boten aber Lara Press, Leonie Mielke (beide Querflöte, Kl. Martina Roth, am Klavier: Reinhard Roth) die drei Sätze des op. 3, Nr. 1 G-Dur der Komponistin Anna Bon di Venezia aus dem 18. Jahrhundert. Welch ein Bonbon der Kammermusik, und dabei relativ unbekannt – Bon di Venezia zählt zu den wenigen Frauen ihrer Zeit, die komponieren durften. Nur intensiver Recherchearbeit ist es zu verdanken, dass solche Werke heute überhaupt zur Aufführung gelangen und überliefert sind, schickte Martina Roth, die sich auch in der Gedok Freiburg stark für die Überlieferung von Komponistinnen engagiert, dem ausgezeichneten Auftritt des Trios voraus.

Friederike Zimmermann

Mit viel Schwung bot Oskar von Reyher (Kl. Regine Barth) dem Publikum „Eye of the tiger“ dar.

Welch ein Bonbon der Kammermusik: Die Sonate G-Dur von Anna Bon di Venezia, vorgetragen von Lara Press, Leonie Mielke (Kl. Martina Roth) zur Klavierbegleitung von Reinhard Roth.

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