Spielend in die Welt der Renaissance eintauchen

Mit Annika und Fiona Spickermann traten zwei junge Virtuosinnen an der Blockflöte auf (Kl. Bettina Boysen).

Mit einem grandiosen Schülerkonzert verabschiedete sich Bettina Boysen aus der Staufener Bereichsleitung, als Flötenlehrerin bleibt sie der Jugendmusikschule erhalten.

So kurz vor Weihnachten noch einmal auf die Bühne – wer möchte sich da nicht in besonders guter Form präsentieren? Umso mehr, da bereits Anfang des neuen Jahres der Wettbewerb „Jugend musiziert“ ansteht, für den so ein Schülerkonzert stets eine willkommene Gelegenheit zur Auftrittsvorbereitung ist. Entsprechend hoch war denn auch das Niveau dieses Konzerts.

Lustvoll interpretierte Anna Glatter auf der Blockflöte zu Cembalo-Begleitung ihrer Lehrerin Bettina Boysen die über dem Basso Continuo mäandernde Melodie des Stücks „Recercada Ottoava“ von Diego Ortiz. Aber auch Neulinge waren unter den Auftretenden. Sie sorgten dafür, dass den Umständen entsprechend auch Weihnachtslieder vertreten waren. Etwa Liana Boch, die heute ihr erstes Vorspiel hatte und mit Bruder Henri auf der Trompete „Fröhliche Weihnacht überall“ wünschte (beide Kl. Nathalie Viehhöfer). Zudem gelang letzterem mit dem rhythmisch anspruchsvollen jazzigen Stück „The Intruder“ von James Rae noch ein beeindruckender Auftritt, dem Klara Röll mit ihren beiden Stücken – „Tarantella“ von Lizzie Davis und „Trumpet“ von Henry Purcell noch eins draufsetzte (alle Kl. N. Viehhöfer, jeweils am Klavier: Joachim Baar).

Annika Spickermann ist im Kontext von „Jugend musiziert“ schon ein alter Hase auf der Bühne. Zur Cembalo-Begleitung von Martin Müller glänzte sie mit zwei barocken Stücken, wobei vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der die doch sehr junge Schülerin ihr Instrument beherrscht, beeindruckte (Kl. B. Boysen). Desgleichen Jana Scherzinger (Kl. Isabel Lehmann), die, gleichsam auf der Blockflöte, die Sonate g.Moll von J.E. Galliard – welch schöne Flötenliteratur es doch gibt – zum Klingen brachte. Rasant und zugleich überaus versiert präsentierte Fiona, eine weitere junge Flötenvirtuosin im Bunde der Spickermann-Familie, auf der Blockflöte das ohnehin virtuose Allegro des Concerto F-Dur von Giuseppe Sammartini sowie das laufend von der Sopran- bis zur Bassflöte wechselnde, zeitgenössische Stück „Infectious Recorders“ von Daniel Hellbach. (Kl. B. Boysen, am Cembalo: M. Müller).

Mit hoher Musikalität konzertierte auch Sarah Müller auf der Blockflöte (Kl. B. Boysen, am Cembalo M. Müller), das getragene Andante mit dem virtuosen Presto der „Methodischen Sonate“ Nr. 9, G-Dur von G. Ph. Telemann sowie im Anschluss die „Sonata Terza“ von G. B. Fontana genussvoll auskostend. Hingebungsvoll brachte Simeon Fitzenberger auf der Blockflöte die Sonate F-Dur von G. B. somis zu Gehör (am Cembalo seine Lehrerin I. Lehmann).

Es ist schier unglaublich, wie versiert diese jungen SchülerInnen bereits in die Welt der Renaissance einzutauchen verstehen. Dennoch tat es nach soviel Flötentönen wohl mal wieder eine andere Klangfarbe zu hören: Mit ihrem Waldhorn glänzte mit Eva-Marie Ratzel im Largo der „6 Pieces mélodiques originales“ von Charles Gounod schier um die Wette (Kl. N. Viehhöfer) – indes ein überaus schwer zu spielendes Instrument (am Klavier: J. Baar). Überaus beachtlich auch der Vortrag von Tim Klan am Klavier, der – auswendig, wohl gemerkt – das anspruchsvolle „moderato“ aus Franz Schuberts A-Dur-Sonate interpretierte (Kl. J. Baar).

Zum Schluss gab es dann auch noch ein Ensemble zu hören: Mit Variationen in „La Follia“ von Arcangelo Corelli gestalteten Anton Schaffer (Blockflöte, Kl. Isabel Lehmann), Marie Stöfken (Violoncello, Kl. Insa Hülsebusch) und Isabel Lehmann am Cembalo noch einen wunderbaren Konzertabschluss – war es doch das letzte Schülervorspiel unter der Bereichsleitung von Bettina Boysen, deren Aufgaben fortan Nathalie Viehhöfer übernehmen wird. Und so würdigte Musikschulleiter Joachim Baar ihre langjährige Arbeit denn auch mit den Worten, sie habe eine regelrechte „Schülerkonzert-Kultur geschaffen, in deren Klima jeder sein Besten geben“ konnte. Wie wahr, so oft durfte man das erleben, und dafür gab es vom Publikum noch einen großen Extra-Applaus.

Text und Foto: Friederike Zimmermann

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