Nur fremd, solange man sie nicht kennt…

Musikalisches Miteinander sorgt an der Landeckschule Bad Krozingen für tolle Stimmung. Bombastischer Auftritt von "Kultur-macht-stark!" und der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau.

Wenn 17 Jugendliche aus mindestens fünf verschiedenen Ländern wie Syrien, Albanien oder Rumänien auf der Bühne stehen und das Lied rappen: „Ein Fremder ist nur fremd, solange man ihn nicht kennt“, so hat das durchaus etwas sehr Anrührendes. Hier an der Landeckschule Bad Krozingen wird Integration groß geschrieben. Schon vor dem Konzert, das die Flüchtlingsklasse ‚Sekundarstufe Vorbereitungsklasse 3’ auf Veranlassung der Klassenlehrerin Kyra Krauss und unter der Gesamtleitung von Philipp Möhrke vor Eltern, Freunden und Geschwistern gleich geben wird, fällt auf, wie freundschaftlich und liebevoll diese Familien und vor allem die Jugendlichen miteinander umgehen.

Sie alle sind zwischen 10 und 16 Jahre alt und kamen vor etwa einem Jahr ohne Deutschkenntnisse hier an. Es braucht nicht viel Phantasie sich auszumalen, welch gute Arbeit vor allem die Klassenlehrerin Kyra Krauss in diesem Jahr geleistet haben muss. Es seien gerade solche Anlässe wie der heutige so wichtig, betont sie bei ihrer Ansprache, da sie eine verbindende Funktion haben. Unterstützt wird sie das ganze Jahr über von Koobo, der ‚Kooperativen Berufsorientierung’, finanziert durch das BAMF bzw. den Träger CJD (Christliches Jugenddorf) Südbaden und namentlich vertreten durch Andreas Hofmann, der einmal pro Woche entsprechende Projekte an dieser Schule durchführt.

An drei Vormittagen nun kam jüngst Philipp Möhrke als Musikfachkraft an die Schule, um mit der Gruppe all die vielen verschiedenen Auftritte dieses Konzerts zu erarbeiten, zu dem auch Schulleiter Harald Höfler und Konrektor Benjamin Gaiser gekommen sind. – Letzterer wird später sogar selbst auf der Bühne stehen, als nämlich Shakir Ertek mit den Jugendlichen sein Trommelprojekt vorstellt, welches er im Auftrag der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau und im Rahmen des Bundesförderprogrammes „Kultur-macht-stark!“ zusammen mit Benajmin Gaiser an der Landeckschule durchführt.

Waren die Jugendlichen zuvor an den Mikrofonen zum Teil etwas scheu – andere wiederum outeten sich als wahre Gesangskünstler – so zeigten sie an den Trommeln selbstbewusst ihr schon beträchtliches Können. Orientalische Rhythmen stehen heute auf dem Programm: „Wenn man so viele unterschiedliche Nationen unter einen Hut bringen muss, was macht man dann? Man spielt die Musik, die allen gemeinsam ist!“, erläutert Shakir Ertek vor Beginn. Und ja, was für ein Auftritt! Sie spielen perfekt zusammen, keine(r) – nicht ein(e) einzige(r) patzt rein. Alle trommeln sie konzentriert und aufmerksam im Rhythmus und bekommen sogar neben einzelnen Soli einen Tempo- und „fliegenden“ Rhythmuswechsel hin. Gelöste Gesichter bei den Jugendlichen, stolze Mienen bei den Eltern – am Ende tosender Applaus.

Im Anschluss an das Konzert kommt ein Vater zu Shakir Ertek, um sich dafür zu bedanken, dass er ‚so etwas’ mit seinen Kindern macht. „Das tanzen wir immer bei den Hochzeiten, wissen Sie“, sagt er. „Es ist unsere Musik!“ Ihre Musik, verbunden mit unserer Musik – nirgends besser funktioniert echte Integration. Dann nämlich sind diese ‚Fremden’ plötzlich so gar nicht mehr fremd…
(Text und Fotos: Friederike Zimmermann)

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